
Lithium-Ionen-Akkus stecken heute in fast jedem tragbaren Gerät – vom Smartphone über den Akkuschrauber bis hin zur elektrischen Zahnbürste. Sie sind leicht und leistungsstark. Doch im Repair Café sehen wir immer wieder, dass die Gefahr unterschätzt wird, die von diesen Energiespeichern ausgeht. Bei falscher Handhabung oder Beschädigung können sie Brände oder Explosionen verursachen.
Um es vorweg zu nehmen: Dieser Beitrag bedeutet nicht, dass es in Repair Cafés ständig zu Bränden kommt. Genau genommen kam es bei uns noch nie zu einem Brand. Dieser Beitrag soll aber sensibilisieren und Dich auf diese (selten vorkommende aber existierende) Gefahr vorbereiten. Dieses Wissen kann Leben retten! Ob im normalen Leben, wenn Du selbst reparierst oder im Repair Café.
Es soll hier speziell um LiIon Akkus gehen. Es gibt noch andere Akkutypen. Im Zweifelsfall kannst Du das aber nicht im Voraus erkennen und derzeit sind Lithium Ionen Akkus sehr verbreitet.
⚡ Warum sind diese Akkus so gefährlich?
Lithium ist ein hochreaktives Metall. Ein Lithium-Ionen-Akku speichert extrem viel Energie auf engstem Raum. Die brennbaren chemischen Bestandteile stehen unter hohem Druck. Wird die dünne Trennschicht (Separator) im Inneren des Akkus beschädigt, kommt es zu einem Kurzschluss.
Dabei entsteht eine unaufhaltsame Kettenreaktion, der sogenannte „Thermal Runaway“ (thermisches Durchgehen). Der Akku heizt sich in Sekundenschnelle selbst auf und fängt Feuer.
🔥 Akkubrände: Warum sie so extrem gefährlich sind
Wenn ein Lithium-Ionen-Akku brennt, unterscheidet sich das völlig von einem normalen Haushaltsbrand:
- Praktisch unlöschbar: Ein brennender Akku erzeugt den Sauerstoff für die Verbrennung durch die chemische Reaktion im Inneren selbst. Man kann ihm den Sauerstoff also nicht von außen entziehen. Herkömmliche Feuerlöscher oder Löschdecken sind hier fast wirkungslos. Die Feuerwehr kann solche Brände oft nur kontrolliert abbrennen lassen oder die Akkus tagelang in riesigen Wassercontainern kühlen.
- Lebensgefährliche, giftige Gase: Beim Brand und bereits kurz davor (beim Ausgasen) entsteht ein hochgiftiger Rauchgascocktail. Dieser enthält unter anderem ätzenden Fluorwasserstoff (Flusssäure) und Schwermetallstäube.
- Die unsichtbare Gefahr – Kohlenmonoxid (CO): Besonders tückisch ist die extreme Freisetzung von Kohlenmonoxid. Dieses Gas ist absolut geruchlos, farblos und geschmacklos. Es blockiert im Körper den Sauerstofftransport im Blut. Bereits wenige Atemzüge in einem geschlossenen Raum können unbemerkt zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen.
🕰️ Spontane Selbstentzündung: Die Gefahr aus dem Nichts
Viele glauben, ein Akku kann nur brennen, wenn er am Ladegerät hängt oder benutzt wird. Das stimmt leider nicht. Akkus können auch völlig ohne Vorwarnung nachts auf dem Tisch oder ungenutzt in der Schublade explodieren.
Der Grund dafür ist oft das sogenannte Dendritenwachstum. Das sind mikroskopisch kleine Lithium-Nadeln, die sich über Monate hinweg im Inneren des Akkus bilden – begünstigt durch Alterung, häufiges Schnellladen oder Laden bei großer Kälte. Irgendwann durchbohren diese Nadeln die interne Trennschicht. Die Folge ist ein plötzlicher, innerer Kurzschluss, der im Ruhezustand zu einem Brand führt.
Lass alte, ungenutzte Geräte oder verdächtige Akkus deshalb niemals unkontrolliert zu Hause herumliegen!
🛠️ Die häufigsten Gefahrenquellen beim Reparieren
Beim Basteln und Reparieren ist besondere Vorsicht geboten. Die größten Risiken sind:
- Mechanische Beschädigung: Ein spitzes Werkzeug, das beim Öffnen eines Gehäuses abrutscht und den Akku ansticht, reicht aus, um ein Feuer zu entfachen.
- Aufgeblähte Akkus: Ein „schwangerer“ Akku (Kissenbildung) zeigt an, dass sich im Inneren bereits Gase gebildet haben. Solche Akkus stehen unter hohem Druck und dürfen unter keinen Umständen weiterverwendet oder mechanisch belastet werden!
- Überhitzung: Zu langes Löten in der Nähe des Akkus oder das Liegenlassen des Geräts in der prallen Sonne kann die chemische Stabilität zerstören.
- Tiefentladung: Wurde ein Akku monatelang nicht geladen und ist „tot“, können sich beim erneuten Laden sofort interne Kurzschlüsse bilden.
📊 Hintergrundwissen: Wie hoch ist das Risiko wirklich?
Das Risiko, dass ein unbeschädigter Original-Akku im normalen Alltag spontan in Brand gerät, ist mit unter 0,005 Prozent (weniger als 1 zu 20.000) extrem gering. Da wir aber von Milliarden Akkus umgeben sind, kommt es dennoch häufig zu Vorfällen. Offizielle Untersuchungen zeigen:
- 75 % aller Akkubrände entstehen direkt während des Ladevorgangs. Das Laden bedeutet die größte thermische Belastung für die Zellen. Dies belegt die Akku-Brandursachen-Statistik des IFS, dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer. [1, 2]
- Über 40 % der Schäden bei mobilen Geräten wie Smartphones werden durch rein mechanische Einwirkungen verursacht – zum Beispiel durch Stürze oder das Verbiegen beim unsachgemäßen Gehäuseöffnen. Die genauen Prozentwerte stammen aus den Unfall-Datensammlungen der US-Verbraucherschutzbehörde CPSC. [3, 4]
- Ca. 20 % aller Elektrizitätsbrände in Wohngebäuden werden mittlerweile durch Defekte an Lithium-Ionen-Akkus ausgelöst. Auch diese Entwicklung wird im aktuellen Brandreport des IFS kontinuierlich dokumentiert. [2]
- Tägliche Brände in der Entsorgung: Weil Akkus fälschlicherweise im Hausmüll landen und in Müllwagen zerquetscht werden, brennt es in deutschen Recyclingbetrieben statistisch gesehen rund 30 Mal am Tag. Auf diese massive Dunkelziffer macht die Aufklärungskampagne des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) aufmerksam. [5, 6, 7, 8, 9]
Das bedeutet für uns: Ein intakter Akku ist sicher. Das Risiko explodiert jedoch, wenn Gehäuse mit Gewalt geöffnet, Akkus beim Ausbau geknickt oder tiefentladene Geräte mit billigen Netzteilen geladen werden.
[1] https://de-brandschutz-informationsportal.tuvsud.com
[2] https://www.ifs-ev.org
[3] https://gitnux.org
[4] https://www.fox26houston.com
[5] https://ifat.de
[6] https://www.bde.de
[7] https://www.youtube.com
[8] https://www.zdf.de
[9] https://www.youtube.com
🌊 Schon gewusst? Warum ein Akku selbst unter Wasser brennt
Es klingt völlig unlogisch, aber ein brennender Lithium-Ionen-Akku lässt sich durch Wasser nicht ersticken. Er brennt selbst tief unter Wasser einfach weiter.
Der Grund dafür ist die Chemie: Durch die extreme Hitze beim „thermischen Durchgehen“ zerfallen die Materialien im Inneren des Akkus und setzen selbst reinen Sauerstoff frei. Der Akku versorgt sein Feuer also von innen heraus selbst – ganz ohne Luft von außen. Zudem kann das enthaltene Lithium chemisch mit Wasser reagieren und hochentzündlichen Wasserstoff bilden.
Warum nutzt die Feuerwehr dann trotzdem Wasser? Wenn die Feuerwehr brennende E-Autos oder Akkus tagelang in riesige Wassercontainer versenkt, geschieht das nicht zum Löschen, sondern rein zum Kühlen. Das Wasser soll verhindern, dass die enorme Hitze auf noch intakte Nachbarzellen überspringt.
⚠️ Tödlich und geruchlos: Die unterschätzte CO-Gefahr bei Lithium-Akkus
Lithium-Ionen-Akkus stecken in fast jedem Gerät. Doch wenn sie beschädigt werden oder brennen, droht nicht nur Feuer – es entsteht das unsichtbare, lebensgefährliche Atemgift Kohlenmonoxid (CO). Im Repair Café schauen wir uns an, warum diese Energiespeicher so tückisch sind und wie wir uns schützen.
🛡️ Sicherheitsregeln für deinen Besuch im Repair Café
Wir wollen gemeinsam reparieren – aber sicher! Bitte beachte daher folgende Regeln:
- Sagt uns Bescheid: Wenn du ein Gerät mitbringst, dessen Akku sich aufgebläht hat, extrem heiß wird oder ausgelaufen ist, informiere uns bitte sofort beim Empfang.
- Vorsicht beim Öffnen: Nutze Werkzeuge aus Kunststoff (Plektren, Spudger), um Gehäuse zu öffnen. Vermeide scharfe Messer oder Schraubendreher in der Nähe des Akkus.
- Akkus nicht knicken: Fest verklebte Akkus (z. B. in Smartphones) müssen sehr vorsichtig gelöst werden. Sie dürfen beim Ausbau nicht verbogen oder beschädigt werden.
- Im Ernstfall – Raum verlassen: Sollte ein Akku im Repair Café rauchen oder brennen: Versuche nicht, den Helden zu spielen. Atme die Gase nicht ein, verlasse sofort den Raum und alarmiere die Feuerwehr (112).
- Richtig entsorgen: Defekte Akkus gehören niemals in den Hausmüll! Wir zeigen dir, wie man die Kontakte abklebt (um Kurzschlüsse zu vermeiden) und wo die nächste offizielle Sammelstelle ist.
Reparieren schont die Umwelt und macht Spaß – wenn wir respektvoll mit der verbauten Technik umgehen. Bring dein Sorgenkind gerne mit, wir schauen es uns gemeinsam und mit der nötigen Vorsicht an!
🛑 SOFORT-MASSNAHMEN BEI RAUCH ODER FEUER
1. RAUM SOFORT EVAKUIEREN
- Laut „Feuer!“ oder „Akkubrand!“ rufen.
- Alle Personen müssen den Raum sofort verlassen.
- Keine Zeit mit dem Einsammeln von Werkzeug verschwenden.
2. TÜREN SCHLIESSEN, NICHT ABSCHLIESSEN
- Die Türen beim Hinausgehen schließen, um den giftigen Rauch einzudämmen.
3. NOTRUF 112 WÄHLEN
- Der Leitstelle sofort melden: „Akkubrand im Innenraum, starke Rauchentwicklung, Gefahr durch Kohlenmonoxid!“
4. KEINE EIGENEN LÖSCHVERSUCHE
- Wasserfreie Chemiebrände lassen sich nicht mit Haushaltslöschern ersticken.
- Bring dich nicht für ein Gerät in Lebensgefahr!
⚠️ NUR VOR DEM BRAND (Wenn der Akku nur heiß wird oder bläht):
- Strom trennen: Sofort das Ladekabel aus der Steckdose ziehen (nicht am Gerät anfassen).
- Nach draußen bringen: Das Gerät nur wenn ohne Gefahr möglich (z.B. mit einer Schaufel) ins Freie auf eine feuerfeste Fläche bringen.
🔗 Weiterführende Informationen & Quellen
- Statistiken zur Brandursache: Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) schlüsselt in seinen Untersuchungen auf, warum die Ladephase das größte Risiko birgt und wie sich Akkubrände im Haushalt verteilen. [2]
- Offizieller Sicherheitsratgeber: Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) bietet eine wissenschaftlich fundierte Übersicht mit 11 konkreten Tipps zum absolut sicheren Umgang mit Lithium-Zellen im Alltag. [3]
- Brandschutz-Leitfaden für die Praxis: Der ausführliche Sicherheitsleitfaden des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES) erklärt im Detail die chemischen Prozesse beim gefürchteten „Thermal Runaway“ (thermisches Durchgehen). [4]
- Gefahren der Entsorgung: Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) zeigt mit seiner Initiative „Brennpunkt: Batterie“, welche verheerenden Schäden falsch entsorgte Akkus täglich in Müllwagen und Recyclinghöfen anrichten. [5]
Das Beitragsbild gilt als illustratives, computergeneriertes Symbolbild oder Warnbeispiel. Das gezeigte Szenario ist eine visuelle Übertreibung. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass im Repair Café regelmäßig Gegenstände explodieren.
